Entwicklung der Insektenfauna

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous)
Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous)Bild: Sophie Giriens

Einleitung: Insekten in der Not

Insektenpopulationen sind zweifellos in Gefahr - verschiedene Faktoren wie z.B. Habitatveränderungen oder gar Habitatverlust, Klimaveränderungen, Lichtverschmutzung oder Umweltgifte setzen Insekten überall unter Druck. Auch indiskutabel ist, dass die Insekten enorm wichtig sind, und ihre andauernde und beschleunigte Gefährdung schwerwiegende Konsequenzen mit sich trägt. Insekten spielen zentrale Rollen in diversen ökologischen Kontexten, und sind extrem wichtig für viele andere Organismen, inklusive der Mensch, der von ihrer Bestäuberaktivität bekanntlich stark abhängt.

Wissenschaftliche Studien haben in den letzten Jahren den Rückgang von Insektenpopulationen beleuchtet, und die Problematik des Insektensterbens ins Rampenlicht geholt (s. z.B. Hotspot-Ausgabe zu den Insekten1). Es kommt neben Rückgängen und sogar lokalen Extinktionen auch zu Verschiebungen in der Zusammensetzung der Arten vor Ort (z.B. zugunsten von wärmeliebenden gegenüber kälteliebenden Arten, wo Temperaturen generell steigen). Die Summe der wissenschaftlichen Evidenz zu den Ursachen und Konsequenzen vom Insektensterben wird stetig überzeugender (s. z.B. in diesem Zusammenhang Analyse inklusive konkrete Empfehlungen für Gegenmassnahmen im kommenden Swiss Academies Report2), doch ebenso beeindruckend sind persönliche Berichte von EntomologInnen. Ausgehend von ihrer langjährigen Erfahrung mit Insekten in der freien Natur, enthalten diese individuellen Geschichten zum Status von verschiedenen Facetten der Insektenfauna ähnliche Warnungen: Unsere Insekten sind in Gefahr, und wir müssen dringend etwas dagegen tun.

Hier werden die persönlichen Aussagen von verschiedenen EntomologInnen zusammengetragen (s. Liste mit Links unten). Diese stellen Rückblicke auf ein Leben mit Insekten dar, und unterstreichen diverse wichtige Aspekte. Zum Beispiel wird die Wichtigkeit von ökologischem Grundlagenwissen betont, denn wir müssen die entsprechenden Arten besser kennenlernen, wenn wir sie effektiv beschützen möchten. Die AutorInnen schildern in ihren Statements die Entwicklung der Insektenfauna in verschiedenen Gebieten der Schweiz aus sehr persönlicher Sicht. Es wird schnell klar beim Lesen, dass in vielen Landschaften der Schweiz negative Auswirkungen auf Insekten spürbar sind. An vielen Orten sind bezüglich Anzahl Individuen und auch Artenvielfalt klare Rückgänge zu beobachten. Der Verlust ihrer Lebensräume über alle Höhenlagen sollte daher unbedingt gestoppt werden.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt, der beim Lesen dieser Aussagen mehrmals deutlich wird, ist, dass nicht nur die seltenen Arten in Gefahr sind. Auch ehemals sehr häufige Insekten sind rar geworden – Hansruedi Wildermuth betont z.B., dass «selbst bisher häufige Arten auf dem Rückzug» sind. Dies sollte zu denken geben: es sind nämlich nicht nur ein paar vereinzelte Raritäten, die in naher Zukunft verschwinden könnten, es sind auch viele gewöhnlichere Insekten in der Not.

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!

Oliver Y. Martin

Präsident der SEG

----------------------

1Forum Biodiversität Schweiz, Hrsg. (2019) Insekten im Fokus der Forschung. Hotspot - Zeitschrift des Forum Biodiversität Schweiz, 40/2019, 32 S.

2Widmer I., Mühlethaler R., Baur B., Gonseth Y., Guntern J., Klaus G., Knop E., Lachat T., Moretti M., Pauli D., Pellissier L., Sattler T. & Altermatt F. (2021) Insektenvielfalt in der Schweiz: Bedeutung, Trends, Handlungsoptionen. Swiss Academies Report Nr. X/2021.

Veränderliche Hummel (Bombus humilis)
Veränderliche Hummel (Bombus humilis)Bild: Sophie Giriens

Persönliche Statements von EntomologInnen:

Hannes Baur: Entwicklung der Heuschrecken in der Schweiz

Hansruedi Wildermuth: Wo sind die Libellen?

Hans-Peter Wymann: Sterben die Schmetterlinge?

(alphabetisch geordnet; weitere folgen)

Toter Schmetterling (Lasiommata megera)
Toter Schmetterling (Lasiommata megera)Bild: Sophie Giriens